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Männerschola an St. Maria Magdalena in Weiler bei Bingen von Willibald Stipp
Am Nachmittag des 11. November 1986 kam eine Pilgergruppe aus der Pfarrei St. Maria Magdalena in Weiler bei Bingen auf ihrer Pilgerreise zu biblischen Stätten im Heiligen Land in die Kreuzfahrerkirche in dem arabischen Dorf Abu Gosh, 13 km westlich von Jerusalemunmittelbar nördlich der Schnellstraße nach Tel Aviv gelegen.
Der Ort war schon vo alters her bewohnt, da es hier eine starke Quelle gab, bei der die Römer im 1. Jahrhundert ein Kastell für Teile der X. Legion, die wahrscheinlich an der Kreuzigung Jesu mitwirkte, anlegten. In islamischer Zeit entstand eine Karawanserei. Im Jahre 1099 kamen die Kreuzfahrer auf ihrem Weg nach Jerusalem an diesen Ort, den sie seiner Quele wegen für das biblische Emmaus hielten. Die von ihnen 1142 erbaute Kirche, eine dreischiffige Basilika, die heute den Vinzentinern gehört, ist ein hervorragendes Beispiel für die monumentale Sakralarchitektur der Kreuzfahrer im 12. Jahrhundert.
Nch einem mit dem Thema “Emmaus” gestalteten Wortgottesdienst, in dessen Verlauf beim Singen mehrerer Lieder die bemerkenswerte Akustik der Kirche beeindruckte, versammelten sich spontan die dem Männergesangverein, teilweise gleichzeitig auch dme Kirchenchor angehörigen Männer der Pilgergruppe, um mit dem Kyrie aus der Choralmesse “Lux et origio” nochmals die Akustik der Kirche zu testen und dabei gleichzeitig das Gefühl zu erleben, auch in einer kleinen Gemeinschaft einen Freude bereitenden “Gottesdienst” leisten zu können. Dies war praktisch die Geburtsstunde der Männerschola an der Pfarrkirche St. Maria Magdalena in Weiler bei Bingen.
Bereits in einer Rorate-Messe am 23. Dezember 1986, morgens um 6 Uhr, stellte sich die Gruppe für die Mitgestaltung zur Verfügung. Daraus sind z.B. bis 1996 in 10 Jahren insgesamt rund 160 Mitwirkungen bei Gottesdiensten der verschiedensten Art geworden. Dazu zählt übrigens auch bei einer erneuten Pilgerreise ins Heilige Land im Oktober 1987 wiederum ein Singen in einer anderen bedeutenden Kreuzfahrerkirche, nämlich der St. Anna-Kirche in Jerusalem mit ihrem Nachhall von 9 Sekunden.
Die Schola versteht sich seit ihrem Bestehen als loser Zusammenschluß von Gleichgesinnten, denen es einfach Spaß bereitet, auch in einem kleinen Kreis etwas zur Gottesdienstgestaltung beizutragen und die deshalb auch an solchen kirchlichen Fest- und Gedenktagen, die im Bewußtsein mancher Mitglieder der Pfarrgemeinde nicht mehr den früheren Stellenwert einnehmen, einen musikalischen Farbtupfer setzen wollen.
Für die Mitwirkung in den Gottesdiensten gibt es keine festen Regeln. Gleichwohl hat sich ein zwischenzeitlich gut eingespieltes System mit Raum zur Improvisation und Spontaneität herausgebildet. Soweit es sich einrichten läßt, wird die Mitwirkung der Schola im Pfarrbrief bekanntgegeben. Die Gruppe singt in Eucharistiefeiern, z.B. rorate-Messen, an Erscheinung des Herrn, Darstellung des Herrn, Aschermittwoch, Palmsonntag, Gründonnerstag, Christi Himmelfahrt, Allerseelen, an Marienfesten, an den Festen des hl. Matthias, des hl. Josef und der hl. Petrus und Paulus. Sie singt außerdem bei Prozessionen, in Wortgottesdiensten mit Kommunionausteilung, in Vespern und Komplet. Gesungen werden lateinische und deutsche Ordinarien, Psalmen, Halleluja-Rufe und sonstige Gesänge, z.T. auch mehrstimmig, Kanons, Vorsängerteile von Gemeindeliedern aus dem “Gotteslob” usw. In diesem Zusammenhang drängen sich Erinnerungen an die ehemaligen, urkundlich erstmals 1774 erwähnten “Chorsänger” auf, die vor der im Jahre 1896 erfolgten Gründung des katholischen Kirchenchores den gregorianischen Choral pflegten und, als in der Weilerer Kirche noch keine Orgel vorhanden war, den Gemeindegesang leiteten bzw. unterstützten.
Auch bei der Schola gab es Zu- und Abgänge; von den Männern der ersten Stunde sind leider bereits zwei in den ersten Jahren des Bestehens der Gruppe gestorben. Der Bestand ist aber seit einiger Zeit mit 14 Mitwirkenden ziemlich konstant geblieben. Fast alle sind Mitglieder im Männergesangverein und/oder im Kirchenchor. Das Durchschnittsalter liegt bei ca. 50 Jahren und bürgt mit den Erfahrungen, die man bei den anderen musikausübenden Gruppierungen sammelt, für ein gefestigtes Klangvolumen.
Zu einem schönen Brauch hat sich das jährliche Abschlusstreffen “zwischen den Jhren” herausgebildet. Dabei hält man Rückschau auf das abgelaufene Jahr, schöpft Mut für neue Vohaben und pflegt die Geselligkeit, z.T. mit aufschlußreichen Beiträgen aus dem Interessengebiet des jeweiligen Gastgebers.
Es bleibt zu hoffen, daß die Männerschola an St. Maria Magdalena noch lange ihrer Zielsetzung treu bleiben kann.
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